Welle machen - Plastikmüll

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Wir fragten am Sa. 24.09.2016 in der Fußgängerzone Kaufbeuren die Menschen:

"Was hat eigentlich der Plastikmüll unserer Wertachstadt mit dem Meerestier-Sterben zu tun?"

Den wenigsten der Befragten war der Zusammenhang bewusst und vor allem nicht, wie groß die Plastikbelastung an der Wertach bereits schon ist. Wir präsentierten am Infostand den Müllberg einer Sammlung, die wir im Frühjahr an 300 m Wertachstrand, durchgeführt hatten. Ein großer Teil davon war Plastik.

Die Sammelaktion

Im Frühjahr wollten wir wissen wieviel Müll findet man denn so am Strand der Touristenstadt Kaufbeuren. Wir nahmen uns eine 300 m lange Teilstrecke des vor wenigen Jahren angelegten Wertach-Wanderweg vor. Was wir da vorfanden hatten wir wirklich nicht gedacht. Es war nicht allein die Menge die uns so entsetzte, sondern man konnte unschwer erkennen, dass dieser Müll schon längere Zeit dort lag, denn wenn man das Laub vom Herbst des Vorjahres weg kratzte, stieß man auf weitere Schichten Abfalls.

Die Gefahr

Teile des Plastikmülls hatte sich auch bereits in kleinere Teile zersetzt, die wohl nie wieder entsorgt werden können. Das nächste Hochwasser wird diese Teile mit sich reißen und kein Rechen entlang der Flüsse kann diese herausfiltern. Des Weiteren werden diese Stückchen im Wasser vorhandene Schadstoffe, Antibiotika aus Gülle usw. binden und bis ins Meer tragen, falls sie nicht von Vögeln oder Fischen, als Futter verkannt, gefressen werden.

Ozeane verkommen zum Plastikendlager

Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle gelangen jedes Jahr weltweit alleine von Land aus ins Meer. Dort werden Plastikteile zur tödlichen Falle für viele Meereslebewesen wie Seevögel, Schildkröten oder Delfine: Diese verheddern sich darin und ertrinken – oder verwechseln sie mit Nahrung. Auch im Magen eines der kürzlich an der Nordseeküste gestrandeten Pottwale fanden Wissenschaftler ein Fischernetz. Plastik macht mittlerweile über die Hälfte des Mülls an den Stränden der Nord- und Ostsee aus.

Der Wellengang und die UV-Strahlung zerkleinern den schwimmenden Plastikmüll in mikroskopisch kleine Teilchen – sogenanntes Mikroplastik.

Mikroplastik

Doch auch in Kosmetika steckt Mikroplastik in Form von winzigen Perlen oder Granulaten. Zu klein, um aus unseren Abwässern gefiltert zu werden, gelangen diese über die Flüsse ins Meer. Dort sammeln sich an den Partikeln Umweltschadstoffe, teils in hoher Konzentration. Forscher haben längst Mikroplastik in Plankton, Muscheln und Garnelen nachgewiesen – auch in Nordseefischen wie Makrele, Hering oder Flunder. So landen giftige Plastikabfälle über die Nahrungskette unter Umständen wieder auf unserem Teller.

Was sollte getan werden

Deutschland ist Teil des Problems: Deutsche verbrauchen mit Abstand das meiste Plastik in der EU – ein Viertel der Gesamtmenge. Laut offiziellen Angaben werden 57 Prozent des deutschen Plastikmülls verbrannt, 42 Prozent recycelt und nur ein Prozent deponiert. Zwischen unserem Plastikverbrauch und dem Plastikmüll klafft eine verdächtige Lücke von rund vier Millionen Tonnen pro Jahr. Wo landet dieses Plastik, wenn es nicht verbrannt oder recycelt wird? Bestimmt auch in der Umwelt, wo es zum Problem wird. Verbraucher und Politik können ihren Teil beitragen, denn vielerlei Plastik lässt sich aus unserem Alltag verbannen: an erster Stelle Mikroplastik in Kosmetika, aber auch typisches Wegwerfplastik wie Einwegflaschen, To-Go-Kaffeebecher, Verpackungen oder Einwegtüten. Die Deutschen verwenden beispielsweise pro Jahr 76 Plastiktüten, nicht eingerechnet die dünnen Obst- und Gemüsebeutel. Viel zu viele; wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung gegen Einwegtüten – sowie ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie und Händler reichen nicht. Mehr erfahren Sie hier...

 

Unsere Infoaktion

Das Ziel war, unseren Mitbürgern die Problematik von Plastik ins Bewusstsein zu rufen, sie über Mikroplastik zu informieren und Unterschriften zu sammeln. Wer Lust hatte, konnte an unserem Quiz über Plastik mitmachen.

Die Fragen: